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 Betreff des Beitrags: Das Kind im Turm
BeitragVerfasst: 09.02.2009 18:06 
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Königliche Familie
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Das sind Zeitungsberichte darüber:

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Freiburger Zeitung vom 17.06.1795

Basel.
Der Sohn Ludwigs XVI., der schon lange an Geist und Körper kränkelte, soll den 8ten dieses Monats gestorben seyn.


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Augspurgische Ordinari Postzeitung vom 22.06.1795

Paris, den 11. Jun.
Vorgestern trug Sevestre im Namen des Polizei Comite der National-Konvention vor: Seit einiger Zeit litt der Sohn unseres letzten Königes an einer Geschwulst am rechten Knie und an der linken Hand. Am 4. May vermehrten sich die Schmerzen: Der Kranke verlor den Appetit, und ein Fieber stellte sich ein. Der weltberühmte Arzt Dessaux wurde ernannt, den Kranken zu besuchen. ... Seine Geschicklichkeit und Rechtschaffenheit bürgten uns, daß Nichts, was man der Menschlichkeit schuldig ist, dem Kranken abgehen würde. Inzwischen äusserten sich bey der Krankheit verschiedene bedenkliche Umstände. ... Um 2 ¼ Uhr Nachmittag [am 8. Juni] erhielt das Comite den Bericht, daß der Sohn König Ludwigs XVI. gestorben sey.


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Freiburger Zeitung vom 04.07.1795

(...)
Den 11ten Juny wurde der Leichnam des Sohns des Ludwig XVI. in einem hölzernen Sarge, auf dem Margarethenkirchhofe beygesetzt. (...) Vor der Beerdigung wurde die Leiche in Anwesenheit von 4 Aerzten und anderen Personen secirt. Man fand, daß das Kind an den Folgen einer Unordnung der Drüsen gestorben war. Gehirn, Herz, Lunge, waren vollkommen (desgleichen Magen, Leber, Milz, Nieren, Harnblase, so zimlich) gesund; an der Luftröhre, auch zum Theil in den Eingeweiden fand man Knoten. Aus der Geschwulst am Knie und an der Hand; auch aus den Eingeweiden floß eine grauliche Materie, und bey der Sektion des Unterleibes brach ein eitriges, gelbliches stinkendes Wasser heraus.
Zur Beruhigung mancher Schwachen im In- und Auslande, haben seitdem einige muthwillige Spaßvögel, die Nachricht zu verbreiten gesucht: "da´Ludwig XVII. noch lebe, und im strengsten Incognito, vom Heilausschusse, vermöge eines geheimen Artikels im längsten Basler-Friedenstraktate, nach Spanien mit Extrapost gesendet, und bey dem Leichenbegräbnisse ein anderer Knabe genommen werden sey.


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Freiburger Zeitung vom 08.07.1795

Frankreich.
Während der Nationalkonvent durch gebundene Flugblätter den Verdacht der geheimen Ermordung Ludwigs des Siebzehnten aus seinen Sündenregister austilgen läßt, tritt öffentlich ein mächtiger Zeuge gegen die Frevler auf. Es ist der Graf von Montgaillard, ein Mann von hoher unbestechbarer Wahrheitsliebe der in der Mitte des vorigen Jahres Frankreich verließ, und wichtige Beobachtungen über die Lage seines Vaterlandes bekannt machte. In einer feyerlichen Erklärung, aus Stuttgart vom 18 Junius datiert, sagt er: "Ludwig XVII. ist todt! Bisher schwieg ich über die Gefahren, die diesem erhabenen Kinde drohten, weil ich sie noch mehr zu vergrößern fürchtete. Aber jetzt ist es mir Pflicht, vor allen Frankreichern eine Thatsache zu enthüllen, deren Zeuge ich bin. Der Volksrepräsentant Sevestre befand sich am 3ten April 1794 in der Oper. Hier sprach er mit großer Selbstgenügsamkeit von der Barbaren mit welcher er die Königin in ihrem Kerker verhört habe, und endete mit der Rede, die ich nie zu vergessen verdammt bin: Die Königsfreunde schmeicheln sich vergebens, den Sohn Ludwigs XVI. auf dem Throne seines Vaters zu sehen. Allerdings schützt ihn sein Alter vor der Guillotine. Aber wir kennen andere Mittel, zu verhindern, daß er einst ein gefährlicher Bereinigungspunkt für seine Anhänger werde, und man wird sie gebrauchen, sobald es Zeit ist. Dafür stehe ich, daß er sein männliches Alter nicht erreichen wird." So sprach Sevestre, der nämliche Volksrepräsentant, der am 9 Juni dem Nationalkonvent den Tod des königlichen Kindes ankündete.


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Freiburger Zeitung vom 11.07.1795

Antoinette'ns Tochter.
Die beßeren Menschen Frankreichs vereinigen sich immer enger, die erhabene Tochter Ludwigs des Sechszehnten aus dem Kerker zu retten. Wenige Tage nach dem Tode ihres unglücklichen Bruders erschien eine meisterhafte Denkschrift für sie, die schreckliche Thatsachen aus der Leidensgeschichte der beyden schuldlosen Königskinder enthüllt. Man hatte nach der Ermordung ihrer Mutter jedes derselben in ein abgesondertes enges Zimmer geworfen, welches nie geöffnet ward. Die Speisen schob man ihnen durch ein Loch in der Thüre zu. Niemand ordnete ihnen das Bette. Niemand reinigte den Kerker. Die Königstochter verrichtete dieses selbst, aber ihr Bruder hatte Alter und Geschicke nicht dazu. Kleiderlos war er sich selbst überlassen. Vor seiner Thür wachten zwey jener Ungeheuer in Menschenbildung, auf deren Fühllosigkeit und Barbaren der Gemeinderath sich verlassen konnte. Kaum endete sich der Tag, so musste der unglückliche Königssohn auf sein eckelhaftes Lager sich niederwerfen. Aber kaum war er eingeschlummert, so riefen ihm die Wächter mit donnernder Stimme zu: "Wo bist du, Kapet?" Und nun mußte das unglückliche Kind an der Oeffnung in der Thüre sich zeigen. Dieser barbarische Aufruf ward des Nachts vier- bis fünfmal wiederholt, weil man Versuche zur Rettung dieses Opfers der Revolution fürchtete.
Rührend, und herzvoll ist die Bittschrift, in welcher die Bürger von Orléans um die Freyheit der Königstochter warben. Hier ist sie in einer treuen Übersetzung:
"Bürger Repräsentanten! Während ihr die Fesseln so vieler unglücklichen Opfer einer finsteren, grausamen Politik auflöset, schmachtet noch eine junge, jedes Trostes, jeder Hilfe beraubte, nur in ihren Thränen lebende Unglückliche, die Tochter Ludwigs des Sechszehnten im Schauer eines schrecklichen Kerkers und beweint, was ihr das Liebste war auf Erden. So jung noch und schon Waise, schon vertraut mit allem, was das Leben Bitteres und Schreckliches hat, hat sie für das Unglück ihrer erhabenen Geburt schrecklich gebüßt. Ach! Wer sollte durch so viele Leiden, durch so vieles Unglück, durch diese Unschuld, diese Jugend nicht zum Mitleid erwärmt werden. Jetzt, wo man den Dolch der Meuchelmörder und das Schwerdt der Henker nicht mehr fürchten muß, jetzt darf endlich die Stimme der Menschheit für sie sich erheben, und bitten, daß man aus ihrem Kerker sie befreye, und ihren Verwandten übergebe. Denn wer von euch möge sie verurtheilen, länger an einem Orte zu wohnen, an welchem noch das rauchende Blut ihrer Familie klebt. Fordern nicht Gerechtigkeit und Menschlichkeit ihre Befreyung ? Und was könnte das verdachtreichste, unruhigste Mißtrauen dagegen einwenden. Kommt also, Franken von Gefühl, kommt also alle, die ihr dieser unglücklichen Familie Wohltaten danket, schließet einen geweihten Kreis um den Kerker. Vereiniget Euere Bitten, Euere Thränen mit den unseren. Hebet mit uns Euere bittenden Hände empor und flehet um die Freyheit der leidenden Unschuld. Man wird unsere Stimmen hören, und Ihr Repräsentanten des Volkes, Ihr werdet unsere Bitten erfüllen. Europa wird euch lohnen mit Beyfall und der Tag der Rettung wird ein Tag des Jubels und der Freude seyn für ganz Frankreich!"
Schon sagt man, die erhabene Unglückliche werde während den Unterhandlungen mit Spanien in ein Landhaus übergesetzt werden. Auch hat man ihr bereits im Tempelthurme eine mindere kerkerähnliche Wohnung und zwey Mädchen zu Gesellschafterinn gegeben.


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Natürlich darf dieser Zeitungsbericht nicht fehlen:
Herz von Ludwig XVII. in Frankreich beigesetzt

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"Wenn Er das Regierungsgeschäft genau so gut führen würde, wie die Maurerkelle, wäre Frankreich eine Weltmacht."


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