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 Betreff des Beitrags: Gerüche und Körperpflege
BeitragVerfasst: 07.10.2008 20:47 
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Hallo Ihr Lieben!
Da ich gerade wieder ein Buch über Körperpflege, Sitten und Gewohnheiten der Franzosen in Paris und Umgebung, von ca 1750 bis 1870 lese, möchte ich euch einige Fakten zur Körperpflege und sanitären Umständen in dieser Zeit vortragen.

In der Zeit, wo es in Paris noch keine Kanalisation und Fließwasser gab, wurde der Hausrat und die Fäkalien hinter dem Haus in Senkgruben entsorgt. Hier wurde wirklich jeder Unrat der so im Haus anfiel, hineingeworfen.
Einige Häuser hatten an der Vorderseite offene Kanäle die erst im 19 Jhdt. in die Erde verlegt wurde. Bei schmalen Gassen wurden der Nachttopf und die Küchenreste auch schon mal aus dem Fenster gekippt.
Die Geruchsbelästigung war in einigen Vierteln besonders durch folgende Umstände hoch. Als erstes stank es in den Kirchen gewaltig, den es war bis in 18 Jhdt. üblich besonders wohlhabende Bürger in den Katakomben und Grüften der Kirchen zu bestatten. Diese und auch die Friedhöfe stanken nach Verwesung und waren in der Umgebung wahrzunehmen. Viele Friedhöfe waren direkt um die Kirchen angelegt und im unmittelbaren Bereich der Lebenden. Der Gereuch wurde zwar wahrgenommen, wurde aber nicht immer als störend empfunden. Die Kirchen und Friedhöfe hatten alle einen eigenen Geruch, so das man sie bereits am solchen erkannte. es war sozusaen die Duftnote eines Ortes.
Zweitens waren die Gewerbebetriebe wie Färbereien, Gerbereien, Schlachterein und Märkte mitten in der Stadt. Nur die Abdecker und der Schindanger waren an einigen fixen Punkten am Rande von Paris.
Die Pariser waren aber duldsam und haben sich an die Gerüche gewöhnt. Ob es Fischmärkte, Abdeckereien, Färberein oder Kloaken und Fisch- oder Fleischmärkte waren. Die Pariser gingen Ihren Geschäften ohne Widerwillen nach.
Ausländern die aus England, Deutschland oder Österreich kamen fiel der gewaltige Gestank auf.
Die Körperpflege war in den 18 Jhdt. in der gehobenen Schicht schon besser und man trachtete sich nur mit wohlduftigen, sauberen Personen zu umgeben, das betraf auch die Dienstboten, die sich regelmäßig baden mussten. Da auch die Damen auf den Straßen spazieren gehen wollten, war ein Grund die Wege sauberer zu halten.

Die Geruchsschwellen sanken allmählich und man war im öffentlichen Bereichen immer mehr darauf bedacht den Geruch zu bändigen. Die Notdurft, eine nicht unwichtige Sache, war in den 18 Jhdt in Paris an öffentlichen Abtritten möglich. In den Häusern selbst gab es keine Toiletten und Bäder, da es auch kein Fließwasser und Kanäle gab. Die nächst Stufe war ein eigener Abtritt in jedem Haus, beim Eingang der nur von de Bewohnen benutzt werden durfte.

Der Bürger der eine feste Wohnung hatte, wusch sich im Schlafzimmer mit Schüssel und Krug. Die einfachen Menschen wuschen sich so gut wie nie und Ihre Kleidung roch nach Ihrer Arbeit ob jetzt Fischweib, Küchenhilfe, Färber, Fleischer oder Kloakenfeger.
Die Kloakenfeger, hatten die Aufgabe die Senkgruben zu leeren. Das wurde bloß mit Kübeln und Leiter durchgeführt und die Belästigung der Anrainer war enorm, so dass man Ende des 18. Jhdt. schon Gedanken über den Einsatz von Ventilation und Desinfektion machte. Personen die besonders schmutzig waren, wurden nicht in die Häuser gelassen und schliefen mit Ihren Kleidern im Freien in Verschlägen in der Nähe ihrer Arbeitsplätze.

Die Verlegung von Wasserleitung und Schwemmkanälen und gepflasterte Straßen in Paris nicht unumstritten und man war über den Geruch von Kanälen und den Unrat der sich zwischen den Pflastersteinen festsetzte auch nicht glücklich, so blieben einige Bezirke in Paris bis ins späte 19. Jhdt ohne Schwemmkanäle und mit Senkgruben hinter jedem Haus.

Als Lektüre empfehle ich zu diesen Thema, von Alain Corbin, das Buch, Pesthauch und Blütenduft; der 150 Jahre den Gerüchen von Frankreich nachgegangen ist.

Oder in meinen Blog habe ich schon einen Tatsachenbereicht veröffentlicht:
Der Geruch von Paris


Zuletzt geändert von Ministre Turlupin am 11.10.2008 21:29, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 11.10.2008 13:38 
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wow, danke für die vielen infos.


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BeitragVerfasst: 11.10.2008 16:50 
auch ein dankeschön von mir

bin echt froh das wir heute was das angeht etwas weiter sind


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BeitragVerfasst: 11.10.2008 16:54 
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Freelancer2160 hat geschrieben:
auch ein dankeschön von mir

bin echt froh das wir heute was das angeht etwas weiter sind



etwas ist gut, viel weiter würde ich sagen.


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BeitragVerfasst: 11.10.2008 17:00 
MarieAntoinette hat geschrieben:
Freelancer2160 hat geschrieben:
auch ein dankeschön von mir

bin echt froh das wir heute was das angeht etwas weiter sind



etwas ist gut, viel weiter würde ich sagen.



ja stimmt


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 Betreff des Beitrags: Da
BeitragVerfasst: 11.10.2008 21:18 
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Da gebe ich euch recht.

Aber aus meine Kindheit kann ich euch erzählen, daß meine Tante eine sogenanntes Klo ohne Spülung direkt im Haus hatte, das direkt in eine Senkgrube mündete.
Am Land war das in alten Häusern noch bis ins späte 20 Jhdt zu sehen.

Aber trotzdem sind die heutigen Verhältnisse reinlicher aber man hat früher ganz einfach nichts anderes gekannt.

Die Wissenschaft bemühte sich schon mit Chemie und und anderen Mittel der Sache beizukommen aber die Kanalisation und die Einleitung von Fließwasser war sehr aufwändig.
Es waren keine Vergleichsmöglichkeit da, ausser zu noch früheren Zeiten und die waren noch schlimmer.


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