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 Betreff des Beitrags: Pierre Victurnien Vergniaud
BeitragVerfasst: 06.08.2010 16:48 
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Auf dem weg nach Versailles
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BildBildPierre Victurnien Vergniaud; * 31.05.1753 Limoges; 31.10.1793 Paris (hingerichtet).


Vergniaud wird in Limoges als Sohn eines später durch Spekulationen verarmten Heereslieferanten geboren. Als Turgot (1727-1781), der damalige Intendant des Limousin, bei einer Gedichtrezitation auf den begabten Jungen aufmerksam wird, erhält Vergniaud ein Stipendium für das von Jesuiten geleiteten Collège du Plessis in Paris. Dort genießt er eine fundierte Ausbildung und erwirbt sich breite Kenntnisse in der griechischen und lateinischen Literatur, der antiken Philosophie und Geschichte. Die Armut seines Vaters lässt nur eine geistliche Karriere zu, so dass Vergniaud in das Seminar von Saint Sulpice eintritt. Da er aber keine geistliche Berufung verspürt, verlässt er das Seminar, ohne die niederen Weihen empfangen zu haben. Eine kurze Beschäftigung in der Direction des Tailles gibt er auf. Dank der Hilfe seines Schwagers Alluaud, eines Ingenieurs, der sich später den Jakobinern anschließen und in der Revolutionszeit das Amt des Bürgermeisters von Limoges bekleiden wird, kann er in Bordeaux Recht studieren.


Nach seiner Zulassung als Anwalt wird er Sekretär Charles du Patys' (1746-1788), des Präsidenten des Parlaments von Bordeaux, eines für seine liberalen Ideen bekannten Politikers, der ihn später als Verteidiger der "trois roues" bezeichnen wird. 1781 wird er als Advokat beim Parlament zugelassen. Im folgenden Jahr führt er seinen ersten Prozess und gewinnt ihn souverän. Der hochbegabte Redner, der ein gewinnendes Äußeres besitzt, wird nie ein Verhältnis zum Geld finden und bleibt so sein Leben lang arm. Zudem fehlt es ihm an Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit - Vergniaud besitzt wohl das Talent zum Volkstribun, nicht aber zum geduldig taktierenden Politiker.
1789 wird Vergniaud in die Generalversammlung des Départements Gironde gewählt. 1790 gründet er mit Ducos (1765-1793) und Boyer-Fonfrède (1765-1793) den Jakobinerklub von Bordeaux.
Begeistert von den Ideen der Revolution, verteidigt er zu Beginn des Jahres 1790 einen Nationalgardisten, der sich geweigert hat, gegen Bauern einzuschreiten, die eine herrschaftliche Bank in einer Kirche des Corrèze verbrannt haben. Vergniaud nutzt die Gelegenheit zu einer leidenschaftlichen Rede, in der er die Leiden der Bauern in einer hochpathetischen Sprache derart plastisch schildert, dass sein Ruf als glänzender Redner sich schnell verbreitet.

Nach seiner Ernennung zum Verwalter des Départements Gironde und einer Tätigkeit als Vorsitzender der Jury des Kriminalgerichts des Départements wird er am 31. August 1791 in die gesetzgebende Versammlung gewählt und lebt fortan in Paris. Obwohl Vergniaud anfänglich die konstitutionelle Monarchie favorisierte, fordert er nach der Flucht des Königs nun die Einführung der Republik. Mit seinen Freunden, Ducos, Gensonné (1758-1793) und Guadet (1758-1794), die wie Vergniaud aus der Gironde stammen, sitzt er auf der linken Seite und bildet mit diesen die Partei der "Girondisten". Schon bald erwirbt er sich den Ruf des besten Redners der Versammlung und bezieht sowohl gegen die Emigranten wie auch im Oktober 1791 gegen die eidverweigernden Priester Stellung. Zudem warnt er seine Kollegen vor den Intrigen des Hofes. Am 18. Januar 1792 setzt er sich engagiert für den Vorschlag Brissots (1754-1793) ein, dem Kaiser den Krieg zu erklären, und fordert am 10. März 1792 erfolgreich die Entlassung und Anklage des Außenministers Delessart, der den Krieg zu verhindern sucht. Seine Reden verfehlen ihren Eindruck nicht. Am 20. April 1792 erklärt Frankreich dem König von Böhmen und Ungarn den Krieg. Nachdem Vergniaud am 23. Mai 1792 ein "österreichisches Komitee" angezeigt hat, das unter Führung Marie Antoinettes (1755-1793) auf das Scheitern der Revolution hinarbeite, kritisiert er am 13. Juli 1792 in einer Rede, die außerordentliche Beachtung findet, die zwiespältige Politik Ludwigs XVI. (1754-1793). Dennoch widersetzt sich Vergniaud in den folgenden Tagen einer Diskussion über eine mögliche Absetzung des Königs, als zahlreiche Petitionen in den Büros der Versammlung eintreffen. Diese zögerliche Haltung kostet ihn das Vertrauen einiger Revolutionäre. Nach dem Rücktritt der Minister der "Feuillants" am 10. Juli 1792 nimmt Vergniaud mit Gensonné und Guadet geheime Verhandlungen mit dem Hof auf, um die erneute Berufung der girondistischen Minister herbeizuführen. Zugleich tritt Vergniaud den Stimmen entgegen, welche die Abschaffung der Monarchie und die Ausrufung der Republik fordern. Auf Vergniauds Antrag erklärt die Legislative den Beschluss der Sektion Maurconseil vom 31. Juli 1792, den König abzusetzen, für verfassungswidrig.


Da Ludwig XVI. sich jedoch weigert, Girondisten erneut als Minister zu berufen, wechselt Vergniaud die Seiten und fordert die Absetzung des Monarchen. Als sich der König und seine Familie am 10. August 1792 in den Schutz der Versammlung flüchten, wird diese von Vergniaud geleitet. Nachdem er sich mit der Commission des douze beraten hat, verkündet er die vorläufige Absetzung des Königs und schlägt die Einberufung eines Nationalkonvents vor. Gegen die Septembermorde ergreift Vergniaud erst nachträglich das Wort, verurteilt sie aber scharf.


Nachdem das Département Gironde Vergniaud im September 1792 erneut in den Konvent gewählt hat, ruft er dort am 21. September 1792 die Abschaffung der Monarchie aus. Als Mitglied des ersten Verfassungsausschusses profiliert sich Vergniaud als Gegner der Montagnards und schließt sich wieder den Girondisten an. Während er die Commune wegen des von der Straße ausgeübten Drucks auf die Abgeordneten angreift, lehnt er die Jakobiner wegen ihrer extremen Positionen ab. Vergniaud, dem jedes Intrigenspiel zuwider ist, gehört weder der Gruppe um Manon Roland (1754-1793) noch der um Valazé (1751-1793) an und spricht sich auch nicht gegen die Entsendung einer Deputation nach Paris aus. Allein zu den Konventsmitgliedern Ducos und Boyer-Fonfrède unterhält Vergniaud freundschaftliche Beziehungen. Seine Aufmerksamkeit wird nicht unwesentlich von der Affäre mit der Schauspielerin Julie Candeille (1767-1834) beansprucht, für die er einige Szenen des Dramas "Die schöne Bäuerin" verfasst.
Während des Prozesses gegen den König stellt Vergniaud erneut sein Zaudern unter Beweis, als er unter Verweis auf die Verfassung von 1791, die dem Monarchen Unverletzlichkeit zugestehe, für die Berufung an das Volk plädiert, im Anschluss aber dennoch für die Hinrichtung des Monarchen plädiert. In der Folgezeit spricht er sich gegen die Vorschläge aus, die der "Berg" einbringt. So lehnt er die Errichtung des Revolutionstribunals und die Pariser Commune ab, die er als Anarchie bezeichnet. Einem Krieg mit England, der den ökonomischen Interessen der Gironde zuwiderläuft, steht Vergniaud ebenfalls kritisch gegenüber. Die Situation spitzt sich zu, als Robespierre (1758-1794) am 10. April 1793 Vergniaud der Konspiration mit dem König und des Moderatismus beschuldigt, worauf sich Vergniaud glänzend verteidigt und für den Moment die Vorwürfe entkräften kann. Am 4. Mai 1793 ruft er die Einwohner von Bordeaux zur Aushebung von Truppen auf, um diese zum Schutz der girondistischen Abgeordneten nach Paris marschieren zu lassen.


Während der Sitzung vom 2. Juni 1793, in welcher der Nationalkonvent unter dem Druck der Straße die Ächtung der 22 girondistischen Abgeordneten beschließt, ist Vergniaud abwesend. Die Möglichkeit zur Flucht lässt Vergniaud, der nun unter Hausarrest steht, ungenutzt. Nach seiner Inhaftierung in La Haye im Juli 1793 wird er am 2. Oktober mit anderen Girondisten angeklagt. Er verteidigt sich souverän vor dem Revolutionstribunal, aber das Urteil, das am 30. Oktober 1793 verkündet wird, steht trotz eines Hilfeversuchs Dantons (1759-1794) schon vor Beginn der Verhandlung fest. Obwohl er sich hätte vergiften können, verzichtet Vergniaud auf den Freitod und entscheidet sich für das gemeinsame Sterben mit seinem Freund Ducos und anderen Girondisten, die am 31. Oktober 1793 auf dem Weg zum Schafott die Marseillaise singen. Seine letzten Worte sollen gelautet haben: "Die Revolution, gleich Saturn, frisst ihre eigenen Kinder

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Quelle:historicum.net

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„Dies ist also der Lohn für den ersten Apostel der Freiheit! Die Ungeheuer, die mein Blut fordern, werden mich nicht lange überleben!“


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